Jule Fahrenkrog-Petersen

Alibi | 1998

Kritik an Produktionsprozessen am Beispiel von Weimar 99 und dem Hochschullehrbetrieb | mit Zala T. Unkmeir

Es werden Produktionen in Gang gesetzt, welche keinen substantiellen Inhalt haben. Es entsteht eine Vielzahl quantitativer Arbeiten, die durch eine Einbindung an vorhandene Theorie ihre (falsche) Berechtigung herleiten (Alibi).

Dieser quantitative Produktionsbegriff schränkt den individuellen Arbeitsrahmen ein. Durch Zuspitzung der Bedingungen, wie den Zwang zur Etablierung oder die Notwendigkeit der Anerkennung, verändert sich der Produktionsbegriff zum Diktat. Worte und Begriffe, die eine Form implizieren, gelten inhaltlich nicht als verbindlich (Projektstudium, Kulturstadt Europa)(Alibi). Dennoch werden sie als Statussymbole (Bauhaus, Goethe etc.) missbraucht, um daraus Profit zu schlagen. Daraus entsteht ein System, das keine progressiven Ansätze in sich trägt, sondern sich immer wieder nur selbst reproduziert.

Um das zu verhindern könnten Vereinbarungen getroffen werden. Jedoch nur wenn nicht auf dem allgemeinen Status quo beharrt wird, Dialogbereitschaft besteht. Ist dies nicht der Fall, wird die individuelle Bewegungs- und Meinungsfreiheit eingeschränkt. Das führt zu einer Stigmatisierung bestimmter Personen, Gruppenbildung wird forciert. Die entstehende Minderheit wird ausgegrenzt und bestätigt dadurch das System (Alibi).

Der Schein ist der Beweis der Studierenden über ihre Studienzeit. Aber er hat weder Aussagekraft über den realen Lehrinhalt, noch über das Lehrziel. so ist man dem Schein gegenüber verpflichtet, quantitativ zu produzieren. Wie kann ein Schein über ein Lehrziel entscheidend sein, wenn es kein wirklich allgemeines gibt, sondern lediglich irgendeine Form das Ziel ausmacht? Dadurch werden sachliche und substantielle Gesichtspunkte von vornherein verunklärt.

Auf die Kulturstadt bezogen ist Profit der Beweis für Gelingen. Doch hat Gewinn keine Aussagekraft über den kulturellen Inhalt. Die Kulturstadt als GmbH ist dem Gewinn gegenüber verpflichtet, quantitativ zu produzieren. Ein Ereignis wird mit Trendfacetten belegt, um kaufkräftiges Publikum heranzuziehen. Es wird keinen weiteren Wert auf die individuelle Rezeption gelegt.

Unsere Grafik ist die Visualisierung eines solchen Alibi-Sachverhaltes anhand einer Weigerung, sich einer inhaltslosem Produktion (von Zeichnungen) zu unterwerfen.

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