Jule Fahrenkrog-Petersen

Märtyrinnen

Malereiprojekt 2013 | Ausstellung Galerie Monopol Leipzig

Je weiter von der Gegenwart entfernt desto unrealistischer sind die Wunder und Martyrien von Heiligen.

Die Biografien von weiblichen Märtyrinnen und Heiligen haben mich neugierig gemacht. Ein klitzkleiner feministischer Ansatz, der nicht weiter zu beachten ist, bis auf die Tatsache, dass ich selbst eine Frau bin. Parallelen zu heutigen Frauenbiografien zu ziehen, interessieren mich.

In der westlichen Gesellschaft haben Frauen heutzutage Zugang zu allen Bildungsangeboten. Frauen können heute heiraten wen sie wollen. Sie müssen nichtmal heiraten und werden auch nicht mehr verachtet, wenn sie ehelos Kinder bekommen.

Viele der Heiligen und Märtyrerinnen hatten keine Lust zu heiraten. Das vorgeschobene Motiv war die Nähe zu Gott. Sie rannten von zu Hause fort oder wurden verstossen. Gelegentlich wurden sie von einem (mächtigen) Mann verfolgt, der in sie verliebt war.

Meine Interpretation ist, dass die meisten dieser Frauen dazumals nicht blöd waren: Sie hatten Lust zu lernen. Zu lesen, zu erkennen, zu werden. Sie hatten offenbar mitunter so viel Weitblick, dass sie dieses Mass an Selbsterfüllung nicht in einer Ehe sahen.

Die einzige Alternative blieb bisweilen das Kloster oder zumindest eine Orientierung zu Christus.

Diese Frauen waren starke Persönlichkeiten. Vermutlich wussten sie auch, dass sie sich gegebenfalls grossem Leid aussetzten.

Ich fragte ich mich, wie sähen diese Biografien in unserer heutigen Gesellschaft aus?

So lückenhaft wie alle Heiligenbilder sind, so lückenhaft sind meine. Aber vielleicht ist es an der Zeit in eine moderne Kirche, zeitgenössische Bilder mit zeitgenössischen Ikonografien zu platzieren.

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