Jule Fahrenkrog-Petersen

Trikolore - DEUTSCH! | 1999

Installation | Gemeinschaftsaustellung Künstlergruppe Myrys/Toulouse & Künstlergruppe Weimar | Schloss im Toulouser Umland | mit Janka Heim

Für eine Nacht ein Schloss. Für jede_n Künstler_in ein Raum.

Frau Heim und ich fanden das Esszimmer. Ebenerdig und ausnahmslos heruntergekommen. In ihm befand sich ein Tisch, ungefähr so alt wie alte Mähren mit Schlössern sind. Ein grobschlächtiger Riesen-Rittertisch. Zwei ebensolche Stühle, sowie eine Bank. Der Boden mit blauer Auslegware Marke Baumarkt Billigfeinripp ausgelegt. Und schliesslich ein Stahlrohrsessel, weiss, leder-bespannt, Marcel-Breuer-Nachbau aus den Achtzigern. Last but not least eine Menge anderen Gerümpels.

Frau Heim und ich fingen lässig an, das Gerümpel aus dem Raum zu entfernen (man kan auch sagen, wir räumten auf). Das grobschlächtige Holzensemble, der Stahlrohrstuhl und der siffige Teppich blieben. Letzterer hatte es uns ganz besonders angetan. Trotz des Drecks hatte er aus der Ferne betrachtet eine sehr ansprechende Farbe. Deswegen hängten wir ihn an die Wand. Wir arrangierten das Mobiliar. Den Marcel-Breuer-Verschnitt vor den blauen Teppich an der Wand, weil er in seinem sterilen weiss-silber mit dem blau so schön harmonierte. Ordentlich-asymetrisch in der Mitte des Raumes zum grossen Kamin hin, die Sitzgruppe mit Tisch. Den wienerten wir selbstredend besonders gründlich. Ein paar Lämpchen für die stimmige Athmo...

Wir betrachteten unsere Installation und waren mächtig stolz. Frau Heim setzte sich auf den weissen Stuhl. und weil sie ein rotes T-Shirt trug und das Ensenble so noch viel viel schöner aussah und vor allem so französisch, nannten wir es trikolore.

Aber ach, unsere französischen Künstlerkollegen kamen. und sie staunten nicht schlecht. Wie hübsch und ordentlich das alles war. und ja? der Stuhl harmoniert mit dem Teppich? der Tisch mit dem Kamin? Soso. Und gepuztzt und gefegt habt ihr? bien bien bien. So klar und so kühl und so ... intellektuell. trés interessant!

Wir schauten unsererseits die Arbeiten der Franzosen an. Oh, weh! das reinste Chaos! So verspielt ! Und so ohne Inhalt. So bunt.

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