Jule Fahrenkrog-Petersen

Vom Verschwinden ... | 1998

Kritik | mit Zala T. Unkmeir

In öffentlichen Institutionen wurden nach der Wende Angestellte und Beamte aus dem vorangegangenem System übernommen. Diese Menschen unterschrieben eine Unbedenklichkeitserklärung, in der sie erklärten, dass sie kein_e Mitarbeiter_in der StaSi waren. Darüber, ob diese Massnahme, an sich oder im einzelnen, Sinn machte, kann ich kein Urteil abgeben. Diese dann zum Teil verbeamteten ehemaligen Bürger der DDR wurden alle sukzessive dahingehend überprüft, ob die unterschriebene Aussage richtig war. Kam ein Verdacht auf, wurden sie bis auf Weiteres postwendend von ihrer Arbeitsstelle beurlaubt. Diese Menschen verschwanden quasi von einem Tag auf den anderen.

Nachfragen hatten lediglich ein grosses Schweigen zur Folge. Erst nach und nach konnte man, anhand des grossen Gerüchtepuzzle, herausfinden, was Sache war. Die Arbeit vom Verschwinden greift einen solchen Fall auf. Sie verdeutlicht im Wesentlichen die Ohnmacht durch das Unwissen, was mit den Betroffenen passiert ist und die Heimlichtuerei der Institutionen in Bezug auf diese Fälle, anstatt Offenheit walten zu lassen. Selbst wenn nachträglich, manchmal durch ein Rechtsverfahren, eine Unbedenklichkeit nachgewiesen werden konnte, so war es für die Betroffenen nicht leicht, wieder und wie gewohnt an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Eine persönliche Stellungnahme, sofern von den Betroffenen erwünscht, wurde nicht in Betracht gezogen.

impressum